GRÜNE lehnen Taktverkehrskonzept ab: „So entsteht ein Zwei-Klassen-ÖPNV“

Thomas Ochs | Symbolbild für den schlechten ÖPNV im Landkreis

Landkreis Bamberg – Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen lehnt das vorgelegte Taktverkehrskonzept für den Landkreis Bamberg ab. Zwar begrüßen die Grünen den grundsätzlichen Reformansatz, sehen aber gravierende inhaltliche Mängel.

„Wir wollen einen besseren ÖPNV für alle Menschen im Landkreis – nicht nur für diejenigen entlang einiger Hauptachsen“, erklärt Fraktionsvorsitzender Thomas Ochs. „Das vorgelegte Konzept konzentriert sich stark auf wenige Linien und lässt große Teile des Landkreises ohne Taktverkehr zurück. Das ist für uns nicht akzeptabel.“

Fehlende Grundlage: Bedarfsverkehr völlig unklar
Kritisch sehen die Grünen insbesondere, dass der Kreistag über das Taktverkehrsnetz entscheiden soll, ohne zu wissen, wie der ergänzende Bedarfsverkehr konkret ausgestaltet wird.
„Wir sollen ein System beschließen, dessen zweite zentrale Säule noch gar nicht definiert ist“, so Ochs weiter. „Ob der Bedarfsverkehr am Ende unserem Anspruch an einen modernen ÖPNV gerecht wird, ist völlig offen. Das ist ein erhebliches Risiko für die Versorgung im ländlichen Raum.“

Gefahr eines Zwei-Klassen-Systems
Aus Sicht der Grünen droht durch das Konzept eine strukturelle Ungleichheit: „Auf den Hauptachsen entsteht ein attraktiverer ÖPNV als bisher – aber in der Fläche droht ein deutlich schlechteres Angebot als bisher“, warnt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Helga Bieberstein. „Bedarfsverkehr kann den klassischen Linienverkehr nicht ersetzen, sondern muss diesen punktuell ergänzen. Er ist weniger verlässlich, weniger spontan nutzbar und stellt höhere Hürden für viele Menschen dar.“

Rückschritt bei regionaler Vernetzung
Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Berücksichtigung von Verbindungen in die Nachbarlandkreise. „Gerade für Pendlerinnen und Pendler sind landkreisübergreifende Verbindungen entscheidend“, betont Kreisrätin Kathrin Zwosta. „Im neuen Konzept spielen diese Verbindungen kaum noch eine Rolle. Das schwächt die regionale Vernetzung und ist ein klarer Rückschritt.“

Weniger Bedienung in der Fläche statt besseres Angebot
Nach Ansicht der Grünen ersetzt das neue Konzept das bestehende Liniennetz nicht gleichwertig. „Das heutige System hat viele Schwächen, aber es bietet zumindest eine flächige Grunderschließung“, so Bieberstein. „Das neue Konzept reduziert diese Grunderschließung in der Fläche deutlich, ohne sie durch ein verlässliches Alternativangebot zu ersetzen.“

Forderung: Erst Gesamtsystem klären, dann entscheiden
Die Grünen fordern daher eine Überarbeitung des Konzepts. „Wir brauchen ein stimmiges Gesamtsystem“, fasst Ochs zusammen. „Dazu gehört ein
Mindestangebot im Takt für alle Teile des Landkreises und ein klar definiertes, funktionierendes Bedarfsangebot. Erst wenn beides zusammen gedacht und
ausgearbeitet ist, kann darüber entschieden werden.“

Fazit
Die Grünen setzen sich seit vielen Jahren für eine Verbesserung des ÖPNV im Landkreis Bamberg ein und verweigern sich auch nicht dem Effizienzansatz der
aktuellen Planungen. Das vorgelegte Konzept sei jedoch „unausgewogen, unvollständig und mit hohen Risiken behaftet“.
„So, wie es jetzt vorliegt, wird es unserem Anspruch an gleichwertige Lebensverhältnisse im Landkreis nicht gerecht“, so Zwosta abschließend.

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