Musik als Mahnung in drei Gemeinden der fränkischen Toskana
Memmelsdorf/ Litzendorf/ Strullendorf – Am heutigen Sonntag, den 22. Februar, wurde in drei Gemeinden der sogenannten „fränkischen Toskana“ das Werk „Three Passions for our tortured Planet“ des US-amerikanischen Komponisten Brian Field aufgeführt. Mit drei aufeinander abgestimmten Veranstaltungen in Litzendorf, Memmelsdorf und Mistendorf setzten die Beteiligten ein starkes kulturelles und klimapolitisches Zeichen.
Das Werk widmet sich in drei Sätzen den drängendsten Erscheinungsformen des Klimawandels: „Feuer“, „Gletscher“ und „Winde“. Field ruft damit weltweit Pianistinnen und Pianisten dazu auf, musikalisch auf die dramatischen Veränderungen unseres Planeten aufmerksam zu machen.
Die Aufführungen, virtuos vorgetragen von Benjamin Scheuermann, fanden um 10:00 Uhr gegenüber dem Kreisbauhof Memmelsdorf, um 12:30 Uhr im Lesegarten an der Bücherei Litzendorf sowie um 15:00 Uhr am Haus des Motorradclubs in Mistendorf statt. Ergänzend ordnete der Mikro-Meteorologe Prof. Dr. Thomas Foken die einzelnen Aspekte wissenschaftlich ein und beleuchtete in thematisch abgestimmten, fast poetisch anmutenden Texten die regionalen Auswirkungen des Klimawandels.

Klimawandel auch vor Ort spürbar
Auch wenn die Region nicht unmittelbar von schmelzenden Eisschilden oder tropischen Wirbelstürmen betroffen ist, sind die Folgen des Klimawandels längst spürbar: zunehmende Hitzetage, Dürreperioden, Starkregenereignisse sowie großflächige Waldschäden – insbesondere bei Fichten-Monokulturen. Die Risiken exponentieller Entwicklungen und möglicher Kipppunkte im Klimasystem machen deutlich, dass entschlossenes Handeln erforderlich ist.

Stimmen zum heutigen Aktionstag
Landratskandidat Thomas Ochs betonte die Bedeutung des Zusammenspiels von Kultur, Klimaschutz und kommunaler Verantwortung:
„Die heutige Veranstaltung hat eindrucksvoll gezeigt, dass Klimaschutz nicht nur eine technische oder politische Aufgabe ist, sondern auch eine kulturelle. Musik erreicht die Menschen emotional – und genau diese emotionale Ebene brauchen wir, um gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Gerade in Memmelsdorf sehen wir, wie wichtig intakte Landschaften für unser Klima sind. Der drohende Verlust eines Landschaftsschutzgebiets und einer wichtigen Frischluftschneise zugunsten eines Gewerbegebiets zeigt, wie sorgfältig wir zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen abwägen müssen.“
Die 3. Bürgermeisterin von Memmelsdorf, Ina Gress, unterstrich ebenfalls die lokale Dimension:
„Der Klimawandel ist kein fernes Zukunftsszenario. Wir erleben ihn hier vor Ort – in unseren Wäldern, auf unseren Feldern und in unseren Siedlungsgebieten. Wenn Frischluftschneisen verschwinden und Landschaftsschutzgebiete unter Druck geraten, betrifft das unmittelbar die Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger. Nachhaltige Entwicklung muss immer Klima- und Naturschutz mitdenken.“
Bürgermeisterkandidat Stefan Schirlitz aus Litzendorf hob die konkreten Erfahrungen seiner Gemeinde hervor:
„In Litzendorf spüren wir die Veränderungen deutlich: längere Dürreperioden setzen der Landwirtschaft und unseren Wäldern zu, gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse und heftige Niederschläge zu. Diese Extreme zeigen, dass wir es nicht mit einem gleichförmigen Prozess zu tun haben. Mit Projekten wie den geplanten Bürger-Windrädern wollen wir Verantwortung übernehmen und die Energiewende aktiv, regional und bürgernah gestalten. So tragen wir nicht nur zur Reduktion von CO₂-Emissionen bei, sondern stärken auch die regionale Wertschöpfung.“
Auch Strullendorfs 2. Bürgermeister Stefan Zahner verwies auf die Erfahrungen in Mistendorf:
„Die Verbindung aus Wissenschaft, Musik und kommunalem Engagement war heute ein starkes Signal. In Mistendorf erleben wir zunehmend Überschwemmungen an Stellen, an denen man sie früher nicht erwartet hätte – nicht nur entlang von Bach- und Flussläufen, sondern auch in Wohngebieten durch Starkregen. Das zeigt, wie dringend wir vorsorgend planen und handeln müssen, um unsere Orte klimaresilient zu machen.“
Musik als Weckruf
„Three Passions for our Tortured Planet“ steht exemplarisch für den Versuch, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse emotional erfahrbar zu machen. Gerade in Zeiten, in denen sich klimatische Veränderungen beschleunigen und mögliche Kipppunkte näher rücken, gewinnt das Zusammenspiel von Kunst, Wissenschaft und kommunalem Handeln an Bedeutung.
Die heutige Veranstaltungsreihe in den drei Gemeinden hat gezeigt: Klimaschutz beginnt vor Ort – und er braucht neben politischen Entscheidungen auch kulturelle Impulse, die Menschen bewegen.

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