Antrag gestellt am 31.08.2026 | Behandelt am 28.10.2026
Der Gemeinderat möge beschließen:
Die Gemeinde Kemmern nimmt das Beratungsangebot der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege des Landkreises Bamberg in Anspruch. Ziel ist, die öffentlichen Grünflächen in Kemmern fachgerecht, insektenfreundlich und klimadienlich zu entwickeln.
Gemeinsam mit der Kreisfachberatung sollen die öffentlichen Grünflächen im gesamten Gemeindegebiet betrachtet und Möglichkeiten für deren langfristige, fachgerechte, insektenfreundliche, klimaangepasste und zugleich pflege- und kosteneffiziente Entwicklung aufgezeigt werden.
Dabei sollen insbesondere folgende Aspekte berücksichtigt werden:
- eine Bestandsaufnahme und fachliche Bewertung geeigneter öffentlicher Grünflächen,
- Möglichkeiten einer ökologischen und gestalterischen Aufwertung,
- eine standortgerechte und klimaangepasste Pflanzenauswahl,
- Möglichkeiten zur Reduzierung des Pflege- und Bewässerungsaufwands,
- Empfehlungen für die zukünftige Pflege der Flächen am Hochwasserdamm,
- eine an zunehmende Hitze- und Trockenperioden angepasste Bewässerungsstrategie,
- Fördermöglichkeiten sowie
- Möglichkeiten zur Einbindung bürgerschaftlichen Engagements, beispielsweise durch Grünflächen- oder Baumscheibenpatenschaften.
Die Ergebnisse der Beratung und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen sollen dem Gemeinderat vorgestellt werden und als Grundlage für die weitere Entwicklung der öffentlichen Grünflächen in Kemmern dienen.
Begründung
Öffentliche Grünflächen prägen das Erscheinungsbild einer Gemeinde und erfüllen zugleich wichtige ökologische und klimatische Funktionen. Angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden, des Rückgangs vieler Insektenarten sowie steigender Anforderungen an Pflege und Bewässerung ist es sinnvoll, die Gestaltung und Pflege des öffentlichen Grüns in Kemmern nicht nur für einzelne Flächen, sondern möglichst in einem Gesamtzusammenhang zu betrachten.
Mit der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege steht den Gemeinden des Landkreises Bamberg hierfür ein fachlich kompetentes Beratungsangebot zur Verfügung. Zu den Aufgaben der Kreisfachberatung gehört ausdrücklich die Unterstützung der Landkreisgemeinden bei der Planung grüngestalterischer Maßnahmen, beispielsweise an Straßen und Ortsrändern, Schulen, Spielplätzen und öffentlichen Freiflächen.
Die Gemeinde sollte diese vorhandene Fachkompetenz nutzen, um zunächst den Bestand zu betrachten und fachlich bewerten zu lassen, welche Flächen sich für eine ökologische und gestalterische Aufwertung eignen. Der Blick sollte dabei bewusst über den Bereich der laufenden Ortskernsanierung hinausgehen. Öffentliche Grünflächen, Straßenbegleitgrün und kleinere gemeindliche Flächen finden sich im gesamten Ort und im Umfeld der Schule. Ziel sollte deshalb sein, eine schlüssige Perspektive für das öffentliche Grün in ganz Kemmern zu entwickeln.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, möglichst viele neue und damit pflegeintensive Pflanzflächen anzulegen. Im Gegenteil: Eine fachgerechte Auswahl standortgerechter, robuster und möglichst mehrjähriger Pflanzen sowie angepasste Pflegekonzepte können dazu beitragen, den Arbeitsaufwand für den gemeindlichen Bauhof und langfristig auch die Kosten zu reduzieren. Weniger häufig gemähte Flächen, geeignete Staudenpflanzungen oder andere naturnahe Gestaltungsformen können dort, wo es sinnvoll ist, arbeitsintensive Pflegeformen ersetzen.
Gleichzeitig können solche Flächen einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Blühende und strukturreiche Grünflächen bieten Insekten Nahrung und Lebensraum und können über den Ort verteilt ein Netz kleiner ökologischer Trittsteine bilden. Ökologischer Nutzen und ein attraktives Ortsbild sind dabei kein Gegensatz. Ein fachlich geplantes „blühendes Kemmern“ kann vielmehr die Aufenthaltsqualität erhöhen und das Ortsbild sichtbar aufwerten.
Besondere Bedeutung kommt zunehmend der Anpassung an Hitze und Trockenheit zu. Bei der Auswahl von Pflanzen und Gehölzen sollte deshalb berücksichtigt werden, welche Arten mit den künftig zu erwartenden Bedingungen gut zurechtkommen. Gleichzeitig sollte geprüft werden, wie sich der Bewässerungsaufwand reduzieren und für länger anhaltende Trockenperioden eine praktikable Gieß- und Bewässerungsplanung entwickeln lässt. Dies ist sowohl unter ökologischen als auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll. Die fachliche Beratung kann darüber hinaus helfen, geeignete Maßnahmen zu priorisieren und Fehlinvestitionen zu vermeiden.
Nicht jede Grünfläche benötigt dieselbe Gestaltung und Pflege. Eine fachliche Betrachtung ermöglicht es, Maßnahmen dort vorzusehen, wo sie mit vertretbarem Aufwand den größten gestalterischen, ökologischen oder klimatischen Nutzen entfalten.
In diesem Zusammenhang sollte auch geprüft werden, für welche Maßnahmen Fördermöglichkeiten bestehen. Insbesondere bei größeren Maßnahmen zur Klimaanpassung, zur Verbesserung des öffentlichen Grüns oder zur ökologischen Aufwertung können Förderprogramme dazu beitragen, den finanziellen Eigenanteil der Gemeinde zu begrenzen.
Schließlich bietet die Weiterentwicklung der öffentlichen Grünflächen Möglichkeiten, die Bürgerschaft einzubeziehen. Denkbar sind beispielsweise Patenschaften für Baumscheiben oder kleinere Grünflächen, bei denen Bürgerinnen und Bürger freiwillig Pflege- oder Gießaufgaben übernehmen. Dies kann den Bauhof punktuell entlasten und zugleich die Identifikation mit dem unmittelbaren Wohnumfeld und die Verantwortung für das öffentliche Grün stärken.
Mit dem Antrag wird noch keine Entscheidung über konkrete Einzelmaßnahmen oder größere Investitionen getroffen. Vielmehr soll zunächst die beim Landkreis Bamberg vorhandene fachliche Kompetenz genutzt werden. Die daraus entstehenden Empfehlungen können anschließend dem Gemeinderat vorgestellt und dort hinsichtlich Umsetzbarkeit, Kosten und Priorität beraten werden.
Ziel ist eine langfristige und aufeinander abgestimmte Entwicklung der öffentlichen Grünflächen in Kemmern, die ein attraktives Ortsbild, mehr Artenvielfalt, eine bessere Anpassung an Hitze und Trockenheit sowie eine möglichst wirtschaftliche und praktikable Pflege miteinander verbindet.
Wir bitten um baldmöglichste Behandlung unseres Antrags im Rahmen einer Gemeinderatssitzung.
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