Grünen-Abgeordnete äußern sich besorgt zu neuen AKW-Meilern in Temelin

Bayreuth/Bamberg, 26.10.2026 Die Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Toni Schuberl zu den geplanten neuen Atomreaktoren am Standort Temelín sorgt für Kritik. Statt konkrete Maßnahmen zum Schutz der Menschen in den bayerischen Grenzregionen darzulegen, verweist die Staatsregierung vor allem auf Zuständigkeiten des Bundes und laufende Verfahren. Konkrete Antworten auf Fragen nach Warnsystemen, Evakuierungsplänen, Jodtabletten oder bayerischen Forderungen im Umweltverträglichkeitsverfahren bleiben aus.

Toni Schuberl ist entsetzt über die Sorglosigkeit der Staatsregierung: „Wenn die Söder-Regierung uns wenigstens gesagt hätte, dass sie an Notfallplänen und konkreten Forderungen arbeitet. Aber selbst das tut sie nicht. Ihr sind die berechtigten Sorgen der Menschen hier wohl schlichtweg egal.“

Martin Stümpfig, energiepolitischer Sprecher der Landtagsgrünen, fordert die Regierung zum Handeln auf: „Diese Small Modular Reactors sind genauso gefährlich wie die bereits bestehenden Reaktorblöcke, weil es eben die gleiche Technologie ist. Die Zeit, sich mit klaren Forderungen an den Betreiber ČEZ zu wenden, ist jetzt. Und es ist auch jetzt notwendig, Notfallpläne auszuarbeiten und Vorsorgemaßnahmen zu
treffen. Das kann nicht allein der Bund übernehmen.“

Das mehrheitlich staatliche tschechische Energieunternehmen ČEZ plant, am Standort Temelín bis Ende der 2030er Jahre zusätzlich zu den beiden bestehenden Reaktorblöcken mehrere Small Modular Reactors (SMR) zu errichten. Trotz ihrer kleineren Bauweise handelt es sich dabei keineswegs um eine grundlegend neue Form der Atomkraft: Auch SMR basieren auf der bekannten Reaktortechnologie und verfügen über vergleichbare Sicherheitssysteme wie herkömmliche Atomkraftwerke. Der wesentliche Unterschied liegt vor allem in der Herstellung. Ein Großteil der Komponenten soll bereits in Fabriken gefertigt werden, bevor die Reaktoren am
späteren Standort montiert werden. Dadurch sollen Skaleneffekte und eine kostengünstigere Produktion ermöglicht werden. Ob dieses Versprechen tatsächlich eingelöst werden kann, ist allerdings bislang nicht belegt – eine erfolgreiche Serienproduktion solcher Reaktoren gibt es noch nicht.

Der Bayreuther Grünen-Abgeordnete Tim Pargent kritisiert deshalb die Darstellung der SMR als vermeintliche neue Technologie: „Auch ein kleiner Reaktor bleibt ein Atomreaktor. SMR sind kein technologischer Befreiungsschlag, sondern zusätzliche Reaktoren am Standort Temelín. Uns wird hier eine neue Lösung verkauft, obwohl die grundlegenden Risiken der Atomkraft bestehen bleiben.“ Wie hoch die Gesamtkosten für den geplanten Ausbau tatsächlich ausfallen werden, ist derzeit öffentlich nicht bekannt.


Die Umweltverträglichkeitsprüfung und weitere Genehmigungsverfahren für die geplanten neuen Reaktoren in Temelín sind noch nicht abgeschlossen. Umso wichtiger ist es, dass die bayerische Staatsregierung die Interessen der betroffenen Regionen weiterhin mit Nachdruck vertritt. Dass sie sich dabei offenbar nicht mehr so deutlich für die ostbayerischen Sicherheitsinteressen einsetzen will wie in der Vergangenheit, sehen die Grünen kritisch. Die Bamberger Grünen-Abgeordnete Ursula Sowa fordert die Staatsregierung auf, ihre Verantwortung ernst zu nehmen: „Die Risiken der Atomkraft machen an keiner Landesgrenze halt. Bayern muss sich im laufenden Verfahren klar positionieren und die Sicherheitsinteressen der Menschen in den betroffenen Regionen konsequent vertreten. Es darf nicht sein, dass die Staatsregierung hier plötzlich zurückhaltender agiert.“

Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung haben auch Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, bis zum 18.12.2026 Einwendungen und Stellungnahmen an das tschechische Umweltministerium in deutscher Sprache zu übermitteln. Dies geht per E-Mail an SMR_ETE@mzp.gov.cz oder postalisch an Ministerstvo životního prostředí (Umweltministerium), Vršovická 65, 100 10 Praha 10, Tschechische Republik. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Bayerischen Umweltministeriums.

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