
Manche Gäste mussten stehen, weil kein Stuhl mehr frei war im prall gefüllten Nebenzimmer des Restaurant Nettuno. Die Stegauracher GRÜNEN hatten zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Bürgerwindränder für Stegaurach – nachhaltig, wirtschaftlich, zum Wohle unserer Gemeinde!“ eingeladen und dazu Roland Lösel vom Energiepark Trabelsdorf als Referenten geladen. Der Referent startete dann auch gleich faktenreich mit seinen Ausführungen. „Die Gestehungskosten aus Windkraft- und Solaranlagen sind unschlagbar günstig“, so Lösel. „Alle wollen günstigen Strom, den schaffen wir nur mit Wind-, Solar- in Kombination mit einem intelligenten Speicherausbau.“ Auch was die Abhängigkeiten von Energieimporten und den Erhalt der Wertschöpfung vor Ort in den ländlichen Regionen angeht, sei der weitere regionale Ausbau der Erneuerbaren Energien alternativlos.
Was die Zuhörer am meisten interessierte war das geplante Windvorranggebiet 4234 Weipelsdorf-Süd, wo auch die möglichen Stegauracher Windkraftanlagen einmal stehen könnten. Auch hier kam Lösel gleich zum Punkt: „Im namentlichen Waldgebiet Michelsberger Wald (Bannwald und Naherholungsgebiet für Bamberg) werden überhaupt keine Windräder stehen. Es muss deswegen kein einziger Baum im Michaelsberger Wald gefällt werden. Da wird teilweise nur Stimmung gemacht.“
KEINE KAHLSCHALG IM WALD!
Das geplante Windvorranggebiet 4234 befindet sich süd-westlich davon im Waldbereich des Weipelsdorfer-/Rothhofer Waldes. „Auch dort werden sicher keine 10 oder noch mehr Windräder entstehen, auch wenn die vorläufige Gebietsgröße dies zulassen würde. Alle Akteure innerhalb des Vorranggebietes beabsichtigen einen ausgewogenen und verträglichen Ausbau, so das realistisch betrachtet vermutlich nur fünf, maximal sechs Anlagen entstehen könnten,“ so Lösel. „Zwei davon könnten auf so genannten Offenflächen, also außerhalb des Waldes und die anderen Anlagen entlang des Höhenzuges und am süd-westlichen Waldrand realisiert werden“. Nach derzeitigen Erkenntnissen würden vom gesamtem Waldgebiet Michelsberger-/Rothhofer- und Weipelsdorfer Wald lediglich rund 0,31% des gesamten Waldgebiets zwischen Bamberg und Tütschengereuth durch die am Waldrand entstehenden Windenergieanlagen in Anspruch genommen, so sind mit Sicherheit – wie oft behauptet und zu lesen ist – keine großflächige Waldflächen zu roden.
Studie zeigt:
Keine optische Horrorszenarien durch Windräder auf die Sichtachsen des Bamberger Weltkulturerbes
Klar und eindeutig konnte Lösel im weiteren Verlauf seiner eindrücklichen Präsentation mit dem Sichtachsenmythos aufräumen, dass hinter der Bamberger Altstadtskyline aus dem Stadtgebiet übergroß Windräder zu sehen sind. Die in der Vergangenheit, leider auch in der örtlichen Presse, verbreiteten Bilddarstellungen mit den möglichen Weipelsdorfer Windrädern hinter der Bamberg Altstadtskyline, entsprächen nicht ansatzweise der Realität.
„Wir können in einer aufwendig erstellten Sichtachsenstudie mit über fünfzig 2D- und 3D-Sichtachsenauswertungen z.B. nachweisen, dass es nicht möglich sein wird, vom Turm Schloß Geyerswörth, vom Turm des Alten Rathauses oder vom Kirchturm der St. Martinskirche aus betrachtet, ein Windrad vom geplanten Vorranggebiet Weipelsdorf-Süd hinter der gesamten Bamberger Altstadtskyline zu sehen!“, so Lösel. Alle in der Öffentlichkeit kursierenden Welterbeskyline-Fotomontagen seien z.T. völlig überzogene Darstellungen und somit lediglich unsachliche Stimmungsmache, die fern jeglicher wissenschaftlicher Faktenlage ist.
Desweitern zeige die 3D-Sichtachsensudie, dass auch von nahezu allen Innenstadt- und Außenstadt-Standpunkten die Bamberger Welterbeskyline nicht vom Vorranggebiet Weipelsdorf-Süd 4234 wesentlich tangiert werden, sondern allenfalls durch andere, teilweise bereits rechtskräftige bzw. durch bereits im Bau befindliche Vorranggebiete im süd-/südwestlichen Landkreis.

© Auszug Sichtachsenstudie: Hier beispielsweise die Sichtachse von der Turmspitze der St. Martinskirche.
Panoramaskyline oben: Foto aktueller Stand. Panoramaskyline unten: 3D-Analyse mit dem Ergebnis, kein Windrad/Windradflügel ist am Horizont zu sehen.
Wie geht es jetzt weiter?
Joachim Schlüter, GRÜNER Kandidat für den Stegauracher Gemeinderat stellte die Forderung auf, dass sich die politischen Verantwortlichen der Realität stellen müssten: „Vor dem Hintergrund dieser klaren Faktenlage muss sich die Stadt Bamberg noch einmal mit dem Thema auseinandersetzen, weil die bisherigen Beschlüsse von falschen Voraussetzungen ausgehen.“ Bernd Fricke, 2. Bürgermeister Stegaurach sicherte zu, sofort zu versuchen, insbesondere die städtischen Mitgliedern des Regionalen Planungsausschusses über die neuen Erkenntnisse zu informieren.